15.04.–12.08.2018: Dialog der Welten

 

»Dialog der Welten. Christliche Begegnung mit den Religionen Indiens«

Die Jahresausstellung des Diözesanmuseums Rottenburg 2018 widmet sich einer Sternstunde des interreligiösen Dialogs: Ab den 1580er Jahren kamen jesuitische Missionare an den nordindischen Mogulhof und nahmen an den Religionsgesprächen Kaiser Akbars (1542–1605) teil. Dies war der Auftakt zu einem intensiven Austausch des Christentums mit Islam und Hinduismus, in dem sich drei große Religionen nicht feindlich gegeneinander abschotteten und entfremdeten, sondern zu tiefen Entdeckungen des Anderen und ihrer Selbst gelangten. Ein epochaler »Zusammenfluss der Meere« – so fasste der Mogulprinz Dara Shikoh 1656 die Visionen seiner Zeit zusammen.

Meisterwerke indo-persischer Malerei

Eindrucksvoll spiegeln sich diese Begegnungen in den Gemälden, die der renommierte Sammler Franz-Josef Vollmer zusammengetragen hat. Christlich-biblische Themen durchlaufen eine faszinierende Transformation: »Josef und seine Brüder«, »Maria und der Christusknabe « und der »Evangelist Matthäus« öffnen sich für persische Mystik, saugen die Tiefe altindischer Metaphysik in sich auf und verbinden sich mit der Farbenpracht der Hindu-Mythologie. Parallel näherten sich Hinduismus und Islam einander an und loteten im Medium der Malerei gemeinsame Schnittmengen aus. Oftmals war es der mystische Bereich, in dem trotz des Trennenden Gemeinsamkeiten gelten gelassen wurden. Die Bildkunst der Moguln ist heute mehr denn je »Menschheitserbe«. Sie bezeugt, was Respekt und friedlicher Austausch vermögen und wie eigentümlich dem Menschen »geistige Neugier« auf den Anderen ist.

Jesuitische Pioniertaten

Um diese vibrierende Bildwelt zu würdigen, gehen wir mit dem Blick nah heran an Christen, die sich auf den Dialog einließen, und folgen dem Abenteuer jesuitischer Missionare und Forscher im 17. Jahrhundert: Hochkarätige Artefakte des hinduistischen Mittelalters und historische Buchdrucke aus Europa versetzen den Besucher zurück in die herausfordernde Begegnung mit einer fremden Welt. Die Ausstellung erinnert an den großen Indien-Missionar und Heiligen Franz Xaver (1506–1552), weist aber auch auf Pioniere der Gesellschaft Jesu hin, deren Lebenswege heute vergessen sind: den süddeutschen Jesuiten Heinrich Roth (1620–1668), der Zugänge und Einsichten in das Yoga gewann, und Roberto de Nobili (1577–1656), den »römisch-katholischen Brahmanen«, der Brücken baute zwischen dem Evangelium und den Traditionen Indiens.

»Unsere Zeit«

Ein folgenreicher Prozess war in Gang gesetzt: Jesuitische Geistliche verkündeten die »Menschwerdung Gottes« in indischen Farben, auf indische Fragen hin. Hierbei entdeckten sie neue Dimensionen ihres eigenen Glaubens. Diese Erfahrungen an den Grenzen des engeren christlichen Kulturraums wirkten weit voraus, bis auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965). Mit seiner Erklärung »Nostra Aetate« betonte es die Wichtigkeit von Beziehung zwischen den Religionen und Kulturen. Die Ausstellung erinnert an christliche Suchende im Umfeld des Konzils wie Henri Le Saux (1910–1973) und Raimon Panikkar (1918–2010). Sie verleugneten ihre Sympathien für Indien nicht, als sie kraftvoll, auf neuen Wegen in den christlichen Glauben und in das Wirken der Kirche einluden.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein wissenschaftlicher Katalog

von Dr. Milan Wehnert mit Prof. Dr. Dr. h.c. Francis X. D’Sa SJ, Prof. Dr.Bernd Jochen Hilberath, Dr. Melanie Prange, Dr. Andreas Renz.

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung

Sonntag, 6. Mai 2018, 15 Uhr: Öffentliche Führung zur Sonderausstellung „Dialog der Welten“ (Dr. Milan Wehnert, Dr. Antony
Pattathu)

Sonntag, 13. Mai 2018, 15 Uhr: Öffentliche Führung zur Sonderausstellung „Dialog der Welten“ (Dr. Antony
Pattathu)

Kuratorenführungen mit Dr. Milan Wehnert unter (07472) 922-180 oder -182

Begleitprogramm zur Ausstellung

Sonntag, 11. März 2018, 15 Uhr: Josef – Yusuf, die »schönste Geschichte« zwischen Ost und West (Dr. Milan Wehnert mit Mahdi Kavandi)

Sonntag, 15. April 2018, 15 Uhr: Vernissage (Dr. Gerhard Schneider, Dr. Melanie Prange, Prof. Dr. Bernd Jochen Hilberath, Dr. Milan Wehnert und Caroline Gebert-Khan)

Sonntag, 22. April 2018, 15 Uhr: Die jesuitische Entdeckung des Alten Indien – Christliche Grenzerfahrungen im 17. Jahrhundert (Dr. Milan Wehnert)

Sonntag, 27. Mai 2018, 15 Uhr: Gebete der Welt im Dialog (Dr. Sebastian Painadath SJ)

Sonntag, 1. Juli 2018, 19 Uhr (Stuttgart, St. Maria, Tübinger Straße 36): Getanztes Gebet – Evangelium und Bharatanatyam (Dr. Saju George SJ)

Sonntag, 12. August 2018, 15 Uhr: Finissage: »Wie sich die Bilder gleichen« – Interkulturelle und interreligiöse Muster (Dr. Franz-Josef Vollmer)