29.11.2015: Vortrag Prof. Dr. Franz Quarthal

Durch die Säkularisierung zahlloser kirchlicher Institutionen nach 1773,1780 und 1803 (Klöster, Stifter, Kirchen und Kapellen) kam kirchlicher Kunstbesitz in großer Menge auf den Markt. Zugleich begann man, mittelalterliche („altdeutsche“) Kunst wieder zu schätzen. Junge Sammler, für die der Erwerb von Kunstwerken zu teuer war, konnten ihren Geschmack  und ihre Bilderkenntnis in großen fürstlichen Sammlungen schulen. Eine große Rolle für unseren Raum spielte die Sammlung der Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Als Kunstmarkt spielte die alte Reichsstadt Augsburg eine bedeutende Rolle. Die Sammlung der Brüder Boiseré, die mehrere Jahre in Stuttgart ausgestellt und mit Hilfe der württembergischen Königin Katharina fast für Württemberg erworben worden wäre, war ein herausragendes Beispiel. Graf Wilhelm von Württemberg aus der Nebenlinie des Hauses Württemberg, war als Kunstsammler für König Wilhelm tätig, legte aber auch für sich privat eine größere Bildersammlung an, für die er Schloss Lichtenstein als Aufbewahrungsort erbaute. Das bedeutendste Stück der dortigen Sammlung sind zwei Altartafeln des Meisters vom Schloss Lichtenstein, die aus der Rottenburger Morizkirche stammen sollen. Der Vortrag wird sich mit dieser These auseinandersetzen.

Neben dem in der Ausstellung des Diözesanmuseums gewürdigten Johann Baptist Hirscher waren auch andere Geistliche in der Stadt Rottenburg und in Diözese als Sammler tätig. Ein wichtiger Sammler war Bischof von Bischof Josef von Lipp. Er gründete 1862 das Diözesanmuseum Rottenburg durch den Ankauf der Sammlung altdeutscher Gemälde des Rottweiler Stadtpfarrers Dr. Johann Georg Dursch (1800–1881). Ein guter Teil von Durschs Sammlung blieb in der Kapellenkirche in Rottweil zurück und bildet heute einen Glanzpunkt der Sammlung des Rottweiler Dominikanermuseums.

Ein bislang wenig gewürdigter Rottenburger Sammler war der Domdekan Franz Ignaz von Jaumann, der seine Biographie entlang der von ihm gesammelten Bilder verfasste und dies in einem sehr persönlichen Werk für seine Freunde niederlegte. Dieser Freundeskreis Jaumanns, der ein Bild der Beziehungen des Domdekans deutlich werden läßt, soll zum Abschluss des Vortrags vorgestellt werden und das Bild Rottenburgs im 19. Jahrhundert abrunden.