Bilder der Verehrung Christi: Messkelche aus Blüten und Blättern

Farbenprächtiges Blütenmeer an Fronleichnam

Bilder der Verehrung Christi: Messkelche aus Blüten und Blättern

Vertraut sind vielen die Blumenteppiche an Fronleichnam. Nicht nur im süddeutschen Raum, auch in anderen überwiegend katholisch geprägten Gebieten werden sie als Blütenläufer über den gesamten Prozessionsweg hinweg oder als Einzelteppiche vor den Stationsaltären und als Bilder seitlich des Weges ausgebreitet. Nicht selten zählt ein Kelch zu den Motiven auf Blumenteppichen.

Die frühesten Fronleichnamsblumenteppiche sind für das  Jahr 1778 in Genzano/Italien belegt. In Hüfingen wurde erstmals 1842 das Fest damit bereichert. Die Blumenteppiche knüpfen an die seit dem 15. Jahr­hundert übliche Grasstreu auf Pro­zessionswegen an. Biblisches Vorbild für die Wegbereitung ist das Ausbreiten von Kleidern und Palmzweigen beim Einzug Jesu in Jerusalem.

Die in die Blumenteppiche „gewebten“ motivischen und symbolischen Darstellungen thematisieren in erster Linie den Festgedanken: Die Verehrung der Realpräsenz Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie.

Kelch als Zeichen des neuen Bundes

Das zentrale Gefäß in der Eucharistiefeier ist der Messkelch, ein Trinkgefäß, das aus Trinkschale (lat. cuppa), Schaft und Kelchfuß besteht. Der Schaft wiederum wird oftmals durch einen Knauf oder Knoten (lat. nodus) gegliedert.  Die Einsetzungsworte Jesu beim Abendmahl  lauteten: „nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut“ (Luk 22,20). Der untere Bereich der Cuppa, sowie Schaft, Nodus und Fuß wurden sehr früh schon künstlerisch mit Treibarbeiten, Gravuren, Stein- und Emaillebesatz gestaltet.

Als einfach darzustellende Form sind Kelche sehr häufig auf Blumenteppichen zu finden. Entsprechend der eucharistischen Motivik auf den realen Messkelchen werden  die Blumenteppichkelche oft ergänzt durch die eucharistischen Gaben: Wein(-trauben) und Kornähren, bzw. Brot(-laib) oder Hostie. Die Hostien wiederum sind mit symbolischen Prägungen, wie dem Kreuz, Christusmonogrammen, oder den Buchstaben Alpha und Omega versehen. Die Gegenwart Christi wird auch mit entsprechenden Darstellungen seitlich neben Kelch und Hostie, sowie mittels Schriftzügen, wie „Leib Christi“ zeichenhaft betont.

Nicht nur das Kreuz zeugt vom Tode Jesu Christi, bereits bei Ähren und Trauben schwingt der Gedanke an Tod und die Auferstehung mit. Dieser hatte sich angesichts des Naturvorganges vom sterbenden Weizenkorn in der Erde und dem daraus folgenden neuen pflanzlichen Leben entwickelt (Joh. 12, 24 – 26). Parallel dazu gilt auch das Keltern der Trauben und der somit gewonnene Wein als Sinnbild für den Opfertod Christi und seine Auferstehung (Gen. 49, 11; Jes. 63, 2).

Sinnbild des Menschen

Abgesehen von der unmittelbaren Bedeutung des Kelches als Symbol der Eucharistie, ist der Kelch auch ein Sinnbild des Menschen, der wie ein Kelch oder ein Becher sein Geschick, sei es Segen (Ps. 23, 5), Strafe (Jes. 51, 17), oder Zorn (Offb. 14, 10, und 16, 19), aus der Hand Gottes empfängt. Auch Jesus sprach angesichts seines kommenden Leidens von einem Kelch und bat Gott, dass dieser an ihm vorübergehen möge (Mt. 26, 39; Lk. 22, 42; vgl. auch Mt. 20, 22 – 23, und Joh. 18, 11). Folglich wird mit der Darstellung des Kelches das Opfermoment der Eucharistie, wodurch Vergebung der Sünden und Erlösung erwirkt wurden, zweifach betont (vgl. 1 Kor. 11, 26).

Iris Dostal-Melchinger

Zwischen Michaelsberg und Bodensee, von der Jagst bis ins Kinzigtal: landauf landab werden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Blütenläufer und Blumenteppiche zu Fronleichnam gestaltet. Im Mittelpunkt eucharistischer Motivik stehen oft Messkelche – hier ein Kelch aus St. Johannes in Tübingen von 1925.