Kartuschendecke mit Opferaltären. Ein Bekenntnis zur Feier der Eucharistie

In der 260-jährigen Pfarrkirche von Seebronn ist das Zentrum der Langhausdecke dem Patron der Kirche, dem Heiligen Apostel  Jakobus  d. Ä.  vorbehalten. Dieses  Gemälde entstand im Zusammenhang mit der Rebarockisierung der Kirche und wurde 1939 von dem Rottenburger Kirchenmaler Eugen Stehle geschaffen.

Dem Hauptbild untergeordnet sind in den sechs  seitlichen Wölbungen über den Fenstern Kartuschen mit emblematischen Darstellungen. Da in vier dieser sechs Stuckkartuschen Altäre zu sehen sind, ist das Thema der Gemäldeabfolge  augenfällig: Es geht um das Altarsakrament, um die Eucharistie.

Die beiden ersten Feldern über der Empore stimmen auf das Thema ein: Rechts  an der Südseite wird in einem Rondo der alttestamentarische Mannaregen auf dramatische Weise dargestellt: Vor schroffem Felsgestein fällt Manna in dichtem Gestöber wie große Schneeflocken vom Himmel in eine menschenleere Gegend – und nicht wie üblich auf die versammelte Menschenmenge.

Auf dem gegenüberliegenden Rondo reckt sich der Pelikan flügelschlagend vor seinen Jungen und schlitzt mit dem Schnabel seine Brust auf, um seine Nachkommen, die hier dicht gedrängt in einem  Dornennest kauern, zu nähren. Dieses Motiv stammt aus dem Physiologus, worin das Herauswürgen der Nahrung aus dem Schlund irrtümlich als Aufreißen der Brust zur Wiederbelebung der toten Jungtiere mit dem eigenen Blut verstanden worden war. So wurde  der Pelikan zu einem Symbol für das Selbstopfer Jesu Christi am Kreuz.

Die daran anschließenden Kartuschen zum Chorraum hin unterscheiden sich bereits durch ihre Form. Dargestellt ist in jedem Feld ein Altar. Die zwei Rahmenpaare korrespondieren wiederum nicht nur formal sondern auch inhaltlich.

Die Kartusche neben jener mit dem Mannaregen zeigt einen Altar, mit Früchten des Feldes bedeckt. Es sind Kürbis, Gerste,  Futterrüben und Zwiebeln aus der heimischen Region und aus lediglich glimmenden Glut fällt grauschwarzer Qualm schwer zum Boden herab. Eine Keule liegt auf Grassteppe vor dem Altar und weist mit der Spitze auf das Geschehen dort; es ist das von Gott zurückgewiesene Opfer Kains.

In der Kartusche auf der gegenüberliegenden Seite lodert hingegen ein stattliches Feuer, die Flammen steigen zielstrebig gen Himmel. Das Brandopfer Abels, ein auf das Feuerholz geschmiegtes totes Lamm mit geschlossenen Augen und heraushängender Zunge, wird wohlgefällig aufgenommen. Selbst der Hirtenstab Abels, der vor dem Altar an einen kleinen Stein gelehnt liegt, steigt über die Horizontlinie der Bodenfläche hinaus.

Das nächste Kartuschenpaar am Langhausende vor dem Chor zeigt zum einen das eucharistische Opfer am Altar und zum anderen dessen Präfiguration aus dem Alten Testament.

Gemeint ist das Opfer Abrahams: Der wiederum durch die heraushängende Zunge und durch halb geschlossene Lider als tot gekennzeichnete Widder ruht hingebungsvoll auf dem auf einer leichten Anhöhe stehenden Altar. Links vor dem Altar wächst eine Distel,  daneben steht ein Weirauchfass  aus dem Rauch wie beim Opfer Abels  in die Höhe strebt. Und wieder weisen die Dornen rechts neben dem Altar auf die Passion Jesu Christi hin und erinnern gleichzeitig an das aus dem Dornbusch gerettete Schaf.

In der Kartusche gegenüber dann die Darstellung der Eucharistie: Auf einer saftig grünen Wiese steht der Altar, darauf eine große Platte mit Brotlaiben und in deren  Mitte der funkelnde Kelch vor dem blauen Berghintergrund. Über dem Kelch hinter dem Bergkamm geht die strahlende Sonne auf. Sie ist mit ihrer Kreuzprägung in der Mitte zugleich die Hostie. Den Altar flankieren die Grundprodukte des Eucharistischen Opfermahles: Links ein Getreidefeld, dessen hohe Ähren die Altarplatte überragen und rechts ein Weinstock mit roten Trauben.

Somit fügen sich diese an sich nachrangig platzierten Kartuschen mit ihren Darstellungen zu einem eindrucksvollen Bekenntnis zum zentralen Moment in der Messfeier, der Eucharistie, zusammen.

Dr. Iris Dostal-Melchinger