06.10.2019–12.01.2020: Die Biblia Sacra von Salvador Dalí

Ein christlicher Künstler?

Das Spätwerk Salvador Dalís

Salvador Dalí (1904–1989) gilt heute als wichtigster Künstler des Surrealismus. Er brach aber bereits 1948 mit der Gruppe der Surrealisten, bekannte sich zum Katholizismus und gestaltete zunehmend Werke mit religiösem Inhalt.

Sein Schaffen widmete Dalí nun dem Aufzeigen von Naturgesetzen und der Darstellung von Perfektion und Schönheit. Zu seinem neuen künstlerischen Ideal wurde die Renaissance, obgleich weiterhin surrealistische Elemente seine Werke mitbestimmten.

In den 1950er Jahren wandte sich Dalí der Zeichnung zu. Nachdem er mit der Illustrierung von Dantes „Göttlicher Komödie“ und Cervantes „Don Quijote“ bedeutende Zyklen geschaffen hatte, entwarf er in den Jahren 1963 bis 1965 die „Biblia Sacra“. In diesem Zyklus verbindet sich Dalís religiöses Interesse, seine zeichnerische Virtuosität und seine breite Bildung, die die Kunstgeschichte ebenso umfasste wie die Physik oder die Psychoanalyse.

 

Die Frau von Lot erstarrt zur Salzsäule

Die Biblia Sacra

Eine der bedeutendsten Bibelillustrationen des 20. Jahrhunderts

Mit 105 Bildern stellt die Biblia Sacra den größten Bildzyklus dar, den Dalí hinterlassen hat. Sie gehört aufgrund des Umfangs und der künstlerisch-konzeptionellen Qualität zu seinen Hauptwerken. Dalí illustrierte die Bibel auf Anregung seines Freundes Giuseppe Albaretto. So entstanden 63 Illustrationen zum Alten und 42 zum Neuen Testament. Gedruckt wurde die Bibel mit Dalís Illustrationen im renommierten Mailänder Verlag Rizzoli.

In dieser Ausstellung sind die Erstdrucke der Illustrationen zu sehen: Dalí prüfte jede Lithographie persönlich und signierte sie von Hand. Weil es sich um Prüfdrucke handelt, sind alle vier Blattränder mit den Farbskalen und der ursprünglichen Nummerierung erhalten.

Die Bundeslade

In der Bibel, die 1967 gedruckt wurde, sind die Bilder beschnitten und in anderer Reihenfolge angeordnet. Die konzeptionellen Linien Dalís und viele Details gingen verloren. Daher machen gerade die Ränder und die Handsignaturen Dalís die Qualität dieser Erstdrucke der Biblia Sacra aus. Der Zyklus stammt aus der Sammlung von Richard H. Mayer, Kunstkantor Bamberg, und wurde erst zweimal vollständig gezeigt. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist ein weiteres Zeugnis der religiösen Auseinandersetzung Dalís, der Mose-Zyklus (1973/74).




Die blaue Madonna

Ein theologischer Zyklus

Dalí als Interpret biblischer Texte

Die Illustrationen zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung Dalís mit den biblischen Texten. Sie bilden eine völlig eigenständige Bibelauslegung. Neben surrealistisch inspirierten Bildnissen wichtiger biblischer Personen, illustrierte Dalí vor allem die Erzählungen des Alten und Neuen Testaments. Manchmal arbeitete Dalí sich an kleinsten Details im Text ab, dann wieder ging er völlig frei mit der Bibel um und komponierte aus mehreren Textvorlagen ein Bild.

Dalí hatte bei der Darstellung einzelner Erzählungen, ähnlich wie mittelalterliche Künstler, immer die gesamte Heilsgeschichte im Blick: Er interpretierte das Alte Testament als Vorausdeutung auf das Neue Testament, die Geburt Jesu im Hinblick auf sein Leiden, das Kreuzesgeschehen im Wissen um die Auferstehung. Durch spezifische Farben oder Perspektiven verband Dalí Perikopen, etwa die alttestamentlichen Schöpfungserzählungen mit den Auferstehungs- und Neuschöpfungsberichten aus dem Neuen Testament. Den Tod Jesu stellte der Künstler als Transformation einer blutroten Wunde dar. Dalí zeigte anhand der biblischen Szenen aber auch menschliche Grunderfahrungen – Wut, Trauer, Schmerz genauso wie Hoffnung, Liebe und Geborgenheit. Ihm gelang es, christliche Verheißungen in ihrer ganzen Tiefe darzustellen: Auf den Mensch als leib-seelisches Wesen oder die Auferstehung nach dem Tod kann man bei Salvador Dalí einen ganz neuen Blick gewinnen.

Er stieß einen lauten Klageschrei aus und starb
Die Heuschrecke

 

Begleitprogramm zur Ausstellung

Sonntag, 6. Oktober 2019, 15 Uhr: Eröffnung – Vernissage

Samstag, 12. Oktober 2019, 14–19 Uhr: Workshop – Malen wie Dalí

Sonntag, 13. Oktober 2019, 15 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 20. Oktober 2019, 15 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 27. Oktober 2019, 15 Uhr: Vortrag – Auf der Suche nach Mose. Dalís Mose-Illustrationen

Sonntag, 3. November 2019, 15 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 10. November 2019, 15 Uhr: Vortrag – „Es gibt keine verlässliche Methode zur Erlangung der Unsterblichkeit außer einer Gnade Gottes, dem Glauben.“ Bedeutung und Einordnung der Biblia Sacra Suite im Werk von Salvador Dalí

Sonntag, 17. November 2019, 15 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 1. Dezember 2019, 15 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Samstag, 21. Dezember 2019, 15 Uhr: Kinderführung (für Kinder von 6 bis 11 Jahren) – Führung mit Praxis für Kinder

Sonntag, 22. Dezember 2019, 11 Uhr: Öffentliche Führung durch den Weihnachtszyklus der Biblia Sacra

Sonntag, 29. Dezember 2019, 11 Uhr: Öffentliche Führung durch den Weihnachtszyklus der Biblia Sacra

Sonntag, 5. Januar 2020, 11 Uhr: Öffentliche Führung durch den Weihnachtszyklus der Biblia Sacra

Sonntag, 5. Januar 2020, 15 Uhr: Vortrag mit anschließender Führung – Salvador Dalí – die Prüfdrucke seiner Biblia Sacra. Eigentümlichkeiten, Sonderstatus und Bedeutung eines der Hauptwerke moderner Sakralkunst

Montag, 6. Januar 2020, 11 Uhr: Öffentliche Führung durch den Weihnachtszyklus der Biblia Sacra

Sonntag, 12. Januar 2020, 17 Uhr: Finissage – Expressive Finissage

Biblia Sacra