{"id":3152,"date":"2021-10-12T14:28:10","date_gmt":"2021-10-12T14:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/?p=3152"},"modified":"2021-10-12T14:28:10","modified_gmt":"2021-10-12T14:28:10","slug":"mariae-himmelfahrt-durch-tiefblaue-sphaeren-in-lichtgoldene-hoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/mariae-himmelfahrt-durch-tiefblaue-sphaeren-in-lichtgoldene-hoehen\/","title":{"rendered":"Mari\u00e4 Himmelfahrt: Durch tiefblaue Sph\u00e4ren in lichtgoldene H\u00f6hen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column column_width_percent=&#8221;100&#8243; gutter_size=&#8221;3&#8243; overlay_alpha=&#8221;50&#8243; shift_x=&#8221;0&#8243; shift_y=&#8221;0&#8243; shift_y_down=&#8221;0&#8243; z_index=&#8221;0&#8243; medium_width=&#8221;0&#8243; mobile_width=&#8221;0&#8243; width=&#8221;1\/1&#8243; uncode_shortcode_id=&#8221;447961&#8243;][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#8221;206092&#8243;]Die 1927 geweihte Kirche Mari\u00e4 Himmelfahrt in Baienfurt bei Weingarten stellt als expressionistischer Sakralbau an sich bereits eine Besonderheit dar: Inmitten der barocken Kirchenlandschaft Oberschwabens gelegen, mutet sie geradezu exotisch an. W\u00e4hrend der Au\u00dfenbau sich zur\u00fcckhaltend gibt, taucht der fremde Besucher, sobald er das Kirchenschiff betritt, in eine ungew\u00f6hnliche und \u00fcberw\u00e4ltigende Welt ein. Es herrscht ringsum ein dunkles nuancenreiches Blau, das zudem je nach Lichteinfall und Tageszeit ihn als Ultramarinblau, Blaugr\u00fcn oder Blauviolett umh\u00fcllt und verzaubert. Und so bezeichnet die einheimische Bev\u00f6lkerung ihre Pfarrkirche auch stolz als \u201eunsere blaue Grotte\u201c.<\/p>\n<p><strong>Grundriss<br \/>\n<\/strong>Der Grundriss zeigt einen in Westostrichtung angelegten rechteckigen dreischiffigen L\u00e4ngsbau, ein lediglich angedeutetes Querschiff und einen leicht vorspringenden Vorbau im Westen. Der schmale eingezogene Chor mit quadratischer Grundfl\u00e4che im Osten wird seitlich von Bauk\u00f6rpern mit ebenfalls quadratischer jedoch kleinerer Grundfl\u00e4che gerahmt: Im Norden der Turm und im S\u00fcden die Sakristei.<\/p>\n<p><strong>Au\u00dfenbau<br \/>\n<\/strong>An dem gestaffelt gegliederten Bauk\u00f6rper mit hoher ebenfalls abgestufter dreiseitiger Walmbedachung f\u00e4llt zun\u00e4chst die Westfassade mit ihrer monumentalen in Parabelform \u00fcberw\u00f6lbten Nische auf. Die Fenster betonen mit ihrer extremen Schmalheit die Vertikale. An der Nord- und S\u00fcdfassade sind sie zu gestaffelten Dreiergruppen zusammengef\u00fcgt. Die in r\u00f6tlichem Ocker gefasste Rahmung aller Fenster mit ihren \u00fcberl\u00e4ngten Laibungen und St\u00fcrzen kontrastieren zum hellen Rauhputz und dessen horizontalen Ritzfugen.<\/p>\n<p><strong>Innenraum<br \/>\n<\/strong>Dem schmalen Eingangsraum und dessen Nebenr\u00e4umen, \u00fcber die sich die Empore erstreckt, folgt der breite und hohe Gemeinderaum. Jeweils f\u00fcnf Parabelb\u00f6gen ruhen auf gestreckten Konsolen und verbinden das Hauptschiff mit den Seitenschiffen. Diese sind so schmal, dass sie lediglich Umgangscharakter haben. Das Gew\u00f6lbe des Hauptschiffes erinnert an sp\u00e4tgotische Netzgew\u00f6lbe: Es gliedert sich in seiner L\u00e4ngsachse in vierzehn gefaltete und mit Stabwerk besetzte Fl\u00e4chenbahnen, die von den Gurtbogengesimsen rhythmisch in Teilst\u00fccke getrennt sind.<br \/>\nDen um sieben Stufen erh\u00f6hten Chorraum trennt wiederum ein parabelf\u00f6rmiger Triumphbogen vom Gemeinderaum. Dieser Bogen wiederholt sich in mehrfacher Abstufung an der Chorabschlusswand, einen Baldachin assoziierend.<br \/>\nInnenraum bestimmende Momente sind Farbgebung und Lichtf\u00fchrung. Im Chorraum f\u00e4llt, f\u00fcr die Besucher nicht sichtbar, Licht durch die s\u00fcdlichen Chorwandfenster ein.<br \/>\nDie farbliche Gestaltung der Wandfl\u00e4chen ist in doppelter Hinsicht alles andere als eint\u00f6nig: Die blaue Farbe hellt sich in den Seitennischen, an der Empore und im Bereich der Seitenalt\u00e4re zu Grau auf und geht im Chor zu Blau-Violett \u00fcber. Und der Farbauftrag ist nicht gleichm\u00e4\u00dfig, sondern mit andersfarbigen Winkelformen bewusst fleckig und diffus gestaltet.<\/p>\n<p><strong>Liturgie und Raum: Zur Ausstattung<br \/>\n<\/strong>Die farbige Wandgestaltung in Blaut\u00f6nen, das Fresko der Chorabschlusswand, die Kreuzwegdarstellungen sowie die Entw\u00fcrfe f\u00fcr die Glasfenster schuf der Maler Alois Schenk. Blau verweist auf Maria, die Titelheilige der Kirche. Das Gem\u00e4lde \u00fcber dem Hauptaltar ist eine Bildsynthese von Mari\u00e4 Himmelfahrt und Marienkr\u00f6nung: Hier lichtet sich das ferne Blau, Maria wird von goldgelben Sph\u00e4ren umflutet.<br \/>\nSowohl die architektonische Formgestaltung mit der Betonung der breiten, die Gl\u00e4ubigen zur G\u00e4nze aufnehmenden, und auf den Hochaltar von 1927 ausgerichteten L\u00e4ngsachse als auch das die Ostwand f\u00fcllende monumentale Gem\u00e4lde sind Ausdruck damaliger Fr\u00f6mmigkeit und eines gewandelten Gemeindeverst\u00e4ndnisses: Die Kirche solle sowohl als Gemeinschaft als auch als Bauwerk ganz auf Christus den K\u00f6nig bzw. im Falle der Marienkirchen auf Maria als K\u00f6nigin konzentriert sein.<br \/>\nDie 1999 vom K\u00fcnstler Joachim Sauter eingef\u00fcgte Altarinsel mit Ambo und Zelebrationsaltar greift diesen Gedanken auf. Der Altar wurde in Anlehnung an die kristallinen Lampenformen und an das intensive Blau der umgebenden W\u00e4nde aus dunkelblauem Quarzit gestaltet.<br \/>\nDer Kreuzweg, den Alois Schenk zur G\u00e4nze erst 1934 vollenden konnte, zeigt kantige und herbe Gestalten mit gebrochenen und verzerrten Formen. Die rahmenlose Wandmalerei an den Seitenschiffw\u00e4nden sprengt den Raum.<\/p>\n<p><strong>Architekt<br \/>\n<\/strong>Der Architekt A. Otto Linder (1891-1976) schuf nach dem Ersten Weltkrieg insbesondere im Bistum Rottenburg-Stuttgart Kirchen, die ein neues Liturgieverst\u00e4ndnis verk\u00f6rpern sollten: Im Gemeinderaum r\u00fcckte er die St\u00fctzen nach au\u00dfen und setzte den erh\u00f6hten Chor deutlich davon ab, damit Altar und Kanzel von allen gut eingesehen werden konnten. Nachdem Linder erste Erfahrungen im Kirchenbau unter anderem in Gosbach und M\u00fchlacker gesammelt hatte, konnte er diesen Ansatz in Baienfurt erstmals konsequent umsetzen. Das hier pr\u00e4gende Motiv der Parabel findet sich in seinem Werk z. B. auch bei der Heilig-Kreuz-Kirche (1927) in Kuchen bei Geislingen, bei Mari\u00e4 Himmelfahrt (1929) in Klein-S\u00fc\u00dfen bei G\u00f6ppingen und bei der Taborkirche (1931) in Freudenstadt.<\/p>\n<p><strong>Kirchenmaler<br \/>\n<\/strong>Dem Maler Alois Schenk (1888\u20131949) hatte das Handwerk der Dekorationsmalerei erlernt, daneben besuchte er Abendkurse an der Stuttgarter Kunstakademie. Seine dortigen Lehrer Christoph Landenberger, Adolf H\u00f6lzl und Friedrich von Keller waren allesamt Vertreter des Expressionismus. Besonders herausragend ist sein Kreuzweg in R\u00f6hlingen von 1919\u20131922.<\/p>\n<p><strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Die ausdrucksvolle Architektur mit ihrer Lichtf\u00fchrung und die malerische Gestaltung machen die Kirche einzigartig. Architektur, Malerei und Ausstattung sind bis ins Detail aufeinander abgestimmt und steigern sich gegenseitig in ihrer expressionistischen Wirkung zu einem Gesamtkunstwerk.<\/p>\n<p><em>Dr. Iris Dostal-Melchinger<\/em>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row unlock_row_content=&#8221;yes&#8221; row_height_percent=&#8221;0&#8243; back_color=&#8221;color-prif&#8221; overlay_alpha=&#8221;50&#8243; gutter_size=&#8221;3&#8243; column_width_percent=&#8221;100&#8243; shift_y=&#8221;0&#8243; z_index=&#8221;0&#8243; enable_top_divider=&#8221;default&#8221; top_divider_inv=&#8221;tilt&#8221; shape_top_invert=&#8221;yes&#8221; shape_top_h_use_pixel=&#8221;&#8221; shape_top_height=&#8221;75&#8243; shape_top_color=&#8221;color-lxmt&#8221; shape_top_opacity=&#8221;100&#8243; shape_top_safe=&#8221;yes&#8221; shape_top_index=&#8221;0&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/1&#8243;][vc_gallery el_id=&#8221;gallery-104929&#8243; medias=&#8221;3153,3154,3155&#8243; gutter_size=&#8221;2&#8243; screen_lg=&#8221;1000&#8243; screen_md=&#8221;600&#8243; screen_sm=&#8221;480&#8243; single_overlay_opacity=&#8221;50&#8243; single_padding=&#8221;2&#8243; single_border=&#8221;yes&#8221; uncode_shortcode_id=&#8221;167342&#8243;][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baienfurt (bei Weingarten)<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":3155,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"link","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3152","post","type-post","status-publish","format-link","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","post_format-post-format-link"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3152"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3152\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dioezesanmuseum-rottenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}