Katholikentag 2022

Katholikentag 2022

Das Team des Diözesanmuseums blickt auf einen ereignisreichen, interessanten und bunten Katholikentag zurück. Insgesamt zwei Ausstellungen und acht Kulturveranstaltungen konnte das Museum ausrichten, das drüber hinaus auch mit einem eigenen Stand im Stadtgarten vertreten war. Die Resonanz war durchweg positiv! Die Vernissage in St. Maria, bei der die Preisträger des Kunstwettbewerbs „Vulnerable“ durch Bischof Fürst ausgezeichnet wurden, die Fotoausstellung „Nebenan“ in St. Agnes sowie die vielfältigen künstlerischen und musikalischen Angebote in der Stadt, stießen auf großes Interesse. Die Veranstaltungen regten zum Austausch und Nachdenken an, luden aber auch zum Feiern und Staunen ein. Wir danken allen Kooperationspartner:innen und den zahlreichen Künstler:innen für ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit, die den Katholikentag auch für die Kunst und die Kultur zu einem Erfolg gemacht haben!


Vernissage „Vulnerable“

Die Sonderausstellung „Vulnerable“ geht in die nächste Runde: am vergangenen Sonntag, 19.06., wurde nach St. Maria nun der zweite Teil der Ausstellung feierlich im Diözesanmuseum eröffnet! Nach einem vielseitigen Programm – mit musikalischer Umrahmung von Anna Ohlmann – konnten sich die Gäste von den Gewinnerbeiträgen des Kunstwettbewerbs (darunter auch die drei Hauptpreisträger) ein erstes Bild machen. Für das rege Interesse und den anregenden Austausch bedankt sich das Team des Diözesanmuseums ganz herzlich!


Segreti accenti

Sommerkonzert im Diözesanmuseum in Kooperation mit der Musikschule Rottenburg

Sonntag, 24. Juli 2020, 19 Uhr

Segreti accenti

Italienische und spanische Musik aus Renaissance und Frühbarock

Duo Cantar alla Viola
Nadine Balbeisi, Gesang
Fernando Marín, Viola da Gamba

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstand in der italienischen Kunstmusik neben der bis dahin vorherrschenden Mehrstimmigkeit ein neuer Typus der Vokalmusik, der solistische Gesang mit Begleitung eines oder mehrerer Instrumente. Am Fürstenhof von Ferrara wurde dieser Stil seiner aufregenden Neuheit und Exklusivität wegen Musica Segreta genannt. Häufig wurden auch polyphone Stücke nachträglich für den monodischen Vortrag bearbeitet, wie z.B. die im Konzert erklingenden, dreistimmigen Villanellen von Luca Marenzio oder die drei- bis vierstimmigen Tonos humanos von Juan Blas de Castro. Die Mitglieder des aus Hofdamen bestehenden Ensembles Concerto delle Donne forderte der neue Trend heraus, ihre Gesangstechnik bis zur Virtuosität zu entwickeln; damit ermutigten sie andere Sängerinnen, erstmals in der Musikgeschichte professionelle Karrieren zu wagen. Ihre Konzerte inspirierten auch Komponisten wie Giulio Caccini in Florenz, der als Begründer der Oper gilt. Seine beiden Töchter Francesca und Settimia waren nicht nur erfolgreiche Sängerinnen, sondern wurden auch als Komponistinnen bekannt. Francesca schrieb mehrere Opern, von denen sich eine erhalten hat, und 1618 ein im Druck erschienenes Libro delle musiche mit Sololiedern und Duetten, aus dem die beiden Stücke des Abends stammen. Ihre Schwester Settimia Caccini übernahm die Rolle der Venus in Claudio Monteverdis Oper L’Arianna und wurde dafür vom Komponisten wegen ihrer „übermenschlichen Anmut und engelsgleichen Stimme“ gelobt. Erfreulicherweise sind einige ihrer Lieder in einem Manuskript im Archiv der Adelsfamilie Lobkowicz in Prag erhalten geblieben.

Die jordanisch-amerikanische Sopranistin Nadine Balbeisi begann ihre internationale Karriere von Deutschland aus. Ihr Repertoire reicht von Musik des 14. Jahrhunderts bis zu einer Vielzahl klassischer Opernrollen. Sie erhielt internationale Auszeichnungen und Stipendien, aktuell die Förderung für ein Forschungsprojekt zu italienischer Musik des 17. Jahrhunderts vom Deutschen Musikrat. Ihre CD „Lamentarium“ mit dem Ensemble Atalante wurde von Musicweb International zur „Aufnahme des Jahres 2011“ gewählt.

Ihre Vielseitigkeit zeigt sie darüber hinaus in dem Trio „Viola da Samba“.

Der aus dem spanischen Alicante stammende Gambist und Cellist Fernando Marín spezialisierte sich ich auf Streichinstrumente der Renaissance und der Barockzeit in historischer Aufführungspraxis, promovierte an der Universität Barcelona mit einer Dissertation über die spanische Vihuela de arco und vermittelt seine Forschungsergebnisse und Instrumentalkunst in mehreren Solo-CDs. In dem Duo „Cantar alla Viola“, das 2005 gegründet wurde und schon mehrere CDs mit spanischer, italienischer und englischer Musik aufgenommen hat, bringt Marín die heute vergessene Kunst der Liedbegleitung mit einem Streichinstrument zur Perfektion, dank einer speziellen Bogentechnik auch mit mehrstimmigen Akkorden und polyphonen Tonfolgen. In Rottenburg spielt er auf einer nach historischem Vorbild nachgebauten Vihuela de Arco.

Eintritt frei, Spenden erbeten.


Vulnerable - getanzt, improvisiert

Finissage der Ausstellung „Vulnerable“ in St. Maria, Stuttgart

Der Stuttgarter Teil der Ausstellung „Vulnerable“ wird am 24. Juli 2022 „getanzt, imprivisiert“ enden. Der international renommierte Choreograf, Tänzer und Tanzpädagoge Yahi Nestor Gahe wird das Vulnerablen in einer tänzerische Improvisation deuten. Er wird vom Rottenburger Domorganisten Ruben J. Sturm mit Improvisationen auf der Orgel begleitet. Damit findet die außergewöhnliche Ausstellung in St. Maria ein würdiges und künstlerisch anspruchsvolles Ende.

Musik: Prof. Ruben J. Sturm (Domorganist / Professor für Orgelliteraturspiel und Orgelimprovisation; Rottenburg)

Tanz: Yahi Nestor Gahe (Choreograf / Tänzer / Tanzpädagoge; Stuttgart)

Der Eintritt für Jugendliche ab 12 Jahre beträgt 5,– €, Erwachsene zahlen 10,– €.


Finissage VULNERABLE – VERLETZLICH mit Künstler:innengespräch

Mehr erfahren – im persönlichen Austausch mit den Preisträger:innen des Kunstwettbewerbs VULNERABLE – VERLETZLICH.

11 Künstler:innen werden ihre Arbeiten im Diözesanmuseum vorstellen. Im Fokus stehen sowohl Werke der aktuellen Sonderausstellung, als auch Arbeiten, die in der Tandemausstellung in Stuttgart (St. Maria) zu sehen waren. Es bleibt Raum für Fragen, angeregte Gespräche und Diskussionen.

Die Veranstaltung ist – mit kleinen Pausen – bis in den frühen Abend geplant. Musikalisch begleitet wird der Nachmittag von Anna Ohlmann (Saxophon) aus Stuttgart.

Interessierte sind herzlich zu den Gesprächen eingeladen.

Wir freuen uns auf den gemeinsamen Ausklang einer erfolgreichen und facettenreichen Ausstellung in Rottenburg.

Anmeldungen bitte – bis 4 Tage vor Veranstaltungsbeginn – unter museum@bo.drs.de oder telefonisch unter 07472-922-180.
Alternativ können Sie sich online über unser Veranstaltungsprogramm anmelden.

Informationen zu Wettbewerb, (Tandem-)Ausstellung und Preisträger:innen finden Sie unter:
https://dioezesanmuseum-rottenburg.de/vulnerable-preistraegerinnen/

Bild:
Moritz Urban, FORT COMFORT, Intervention, 2022. Foto: Kai Loges, die arge lola


Das Diözesanmuseum gestaltet den Katholikentag mit

Katholikentag 2022 in Stuttgart

Das Diözesanmuseum gestaltet mehrere Kulturveranstaltungen auf dem Katholikentag mit. Es lohnt sich also um so mehr, Ende Mai nach Stuttgart zu kommen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist über die Tickets zum Katholikentag möglich.

Veranstaltungen des Diözesanmuseums auf dem Katholikentag


Kooperation mit der Hochschule für Kirchenmusik

Bedeutungsvoll

Ab dem 11. April wird im neu gestalteten Foyer der Rottenburger Hochschule für Kirchenmusik die Glas- und Eisenskulptur „Bedeutungsvoll“ von Susanne Röwer zu sehen sein. Das 2021 entstandene Kunstobjekt wurde vom Diözesanmuseum für das neue Tätigkeitsfeld „Zeitgenössische Kunst und Kunstvermittlung“ erworben. Dieser Bereich widmet sich Künstlern der Gegenwart, vermittelt ihre Werke und bringt sie in einen Dialog mit der christlichen Ikonographie vergangener Kunstepochen. Die Hochschule wird solche modernen Museumsstücke künftig regelmäßig präsentieren und so in ihren Räumen einen Begegnungsort  auch für die bildende Kunst schaffen.

Röwers Skulptur wird zum ersten Mal in Rottenburg gezeigt. Die Künstlerin, die mit ganz unterschiedlichen Gattungen wie Metall, Glas, Stein oder Papier arbeitet und international ausstellt, verbindet die Werkstoffe auf eindrucksvolle Weise. Auch das Rottenburger Kunstobjekt, ein Fremdkörper im minimalistischen Foyer, lässt den Besucher innehalten. Fast organisch scheint es über einem flachen Sockel zu schweben, aufzusteigen, zu kriechen. Eisenwindungen, mit spitzen Dornen versehen, bilden über drei tastenden Fühlern einen Ring; darin eine rötliche Blase aus Glas. Tief schneiden die Dornen in die durchscheinende Oberfläche, als müsste sie jeden Augenblick zerspringen. Gleichzeitig passt sich die Blase den Dornen an, umschließt sie teilweise, scheint zu wabern und zu pulsieren.

Die erste Assoziation, die dem Betrachter in den Sinn kommt, ist vermutlich die Dornenkrone. Sinnbild höchsten Leidens, der Verspottung Christi, aber auch Auszeichnung und Symbol seines Königtums, seiner Allmacht. Die Krone heißt im Lateinischen „corona“, ein heute omnipräsenter Begriff mit ganz anderer Bedeutung. Auch Corona ist für viele Menschen zu einem Symbol für Leid geworden, lässt nach wie vor aber auch viele Menschen über sich hinauswachsen, zeichnet sie aus. In der Skulptur verbinden sich Sinnbilder und Sichtweisen; Eisen und Glas, Härte und Zerbrechlichkeit, beide im Feuer geformt, begegnen sich in lebendigem Zusammenspiel. Die Skulptur regt zum Nachdenken an und eröffnet dem Besucher Bedeutungsvolles, in der Karwoche und darüber hinaus.

Um eine Anmeldung im Sekretariat (Tel.: 07472/169-820) zur Besichtigung der Skulptur wird gebeten.


Mehr als Pauken und Trompeten

Pressemeldung

Stuttgart, 27. April 2022
Konzerte, Kino, Tanz, Kunst und Literatur, Ausstellungen, Kabarett und Theater – mehr als 200 kulturelle Veranstaltungen laden auf dem Katholikentag in Stuttgart zum Erleben und Staunen ein. Im Haus der Geschichte in Stuttgart stellten die Veranstalter diese Fülle heute vor. „Mit unserem Kulturangebot wollen wir fünf Tage lang die Atmosphäre des Katholikentags in die Stadt transportieren“, betont der Vorsitzende des Arbeitskreises Kultur des Katholikentags, Paul Magino. Eigens dafür wurden in einem Bewerbungsverfahren über 100 Bands, Chöre und Einzelkünstler:innen ausgewählt, die einen Großteil des Kulturprogramms gestalten werden.
Und: „Wir arbeiten mit vielen Kultureinrichtungen in der Stadt Stuttgart zusammen, etwa dem Linden-Museum, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, dem Haus der Musik, der Staatsgalerie und dem Alte Schauspielhaus und werden die Stuttgarter Kulturszene für diese Zeit des Katholikentags deutlich bereichern.“ Einige Orte sind beim Katholikentag fest mit einer Sparte verknüpft: So werden sich etwa im Renitenztheater und im Gustav-Siegle-Haus Kabarettfreunde tummeln. Wer an Autorenlesungen interessiert ist, merke sich am besten den Wanner-Saal im Linden-Museum mit Lesungen von Anna-Katharina Hahn, Nora Bossong und Josef Haslinger.
Ausstellungen ermöglichen ganz eigene Einblicke, etwa „Unter die Haut – Mein Tattoo, meine Geschichte“ im Akademiegarten (unter freiem Himmel). Das umfangreichste und höchst aktuelle Projekt des Diözesanmuseums ist die Ausstellung „„Vulnerable – Verletzlich“ in St. Maria, in der die prämierten Arbeiten des gleichnamigen Kunstwettbewerbs der Diözese Rottenburg-Stuttgart – in Auswahl – präsentiert werden. Der Hintergrund: Die Corona-Pandemie und jüngst die kriegerischen Handlungen in der Ukraine führten uns unsere Verletzlichkeit deutlich vor Augen. Vulnerabilität ist ein wesentliches Moment des menschlichen Daseins, das schwächt, jedoch auch stärken kann. Bei der Aufgabenstellung hatte sich die Diözese bewusst dazu entschieden, die Frage nach Verletzlichkeit offen zu formulieren und sich von den Antworten junger Kreativer herausfordern zu lassen – sich also selbst verletzlich und offen zu machen. Ganz besonders vor dem Hintergrund, dass Kirche für schlimmste psychologische und körperliche Verwundungen an Kindern, Jugendlichen und queeren Menschen verantwortlich ist, wie jüngste Studien und Enthüllungen auf schockierende Weise verdeutlichten. Auf die Ausschreibung bewarben sich rund 600 Künstler:innen. Eingereicht wurden zeitgenössische Kunstformen wie Installationen, Video- und Soundarbeiten, Projektionen und Performances sowie Objekte der klassischen Bildkünste wie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen.
Das umfangreichste Segment des Kulturprogramms auf de Katholikentag stellt die Musik dar – und diese wird an ganz verschiedenen Stellen in der Stadt erklingen. Hörgenuss bieten Gospelkonzerte, Pop und Rock, Neues Geistliches Lied, Orgelmusik und zeitgenössische Orchesterwerke. Ein besonderes Werk, das zudem zur Mitwirkung einlädt, ist die #coronation mass. Im Zentrum der Uraufführung steht Mozarts Krönungsmesse KV 317 als Sinnbild für Lebensfreude und Zuversicht. Darüber hinaus lässt die eigens entwickelte Klanginstallation jeden einzelnen Besucher schon vorab Teil des Ganzen werden – mit Hilfe seiner mit dem Smartphone individuell eingesungenen Voicemessage über die kurze musikalische Phrase „Dona nobis pacem“. Einfach nachsingen, +49 711 20 70 31 70 anrufen und auf die Mailbox singen oder als Sprachmemo aufnehmen und per Nachricht an coronation@katholikentag.de senden. Der Einsendeschluss für die Sprachnachrichten ist der 10. Mai.
Das umfangreiche Filmprogramm des Katholikentags richtet sich mit seinen Gesprächen nicht nur an interessierte Cineasten, sondern auch an Schüler:innen und Studierende und thematisiert aktuelle gesellschaftlich relevante Fragen. Etwa in dem Film mit Gespräch „Das unbekannte Mädchen“, in dem moralische Integrität und gesellschaftliche Gerechtigkeit thematisiert werden.
Kontakt:
Stephan von Kolson, Telefon: +49 175 4343485, E-Mail: presse@katholikentag.de

v.l.n.r.: Paul Magino, Prof. Jörg-Hannes Hahn, Eberhard Schwarz, Dr. Melanie Prange
Akkordeon: Nepomuk Golding


Wir machen Kunst in Krisenzeiten stark

Beim Katholikentag in Stuttgart sind ab 27. Mai in St. Maria erstmals prämierte Werke des Kunstwettbewerbs „Vulnerable – Verletzlich“ zu sehen.

Der Wettbewerb war auf eine große Resonanz gestoßen: Rund 600 Künstlerinnen und Künstler bewarben sich, 25 junge Kreative wurden ausgewählt. Sie setzten sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit der Vulnerabilität, also der Verletzlichkeit, des menschlichen Lebens auseinander.

„Die Pandemie und zuletzt nun auch der Krieg in der Ukraine haben uns brutal aus vermeintlichen Selbstverständlichkeiten des Lebens herausgerissen“ sagt Weihbischof Dr. Gerhard Schneider, in dessen Zuständigkeit auch der Bereich Kunst in der Diözese Rottenburg-Stuttgart fällt. „Es fällt schwer, diese vielzitierte ‚Zeitenwende‘ in Worte zu fassen. Für uns als Kirche ist es wichtig, gerade in Krisenzeiten wie diesen die Kunst stark zu machen. Die Kunst bietet Wege an, sich in dem unbekannten und immer wieder unfassbaren Geschehen unserer Zeit auszudrücken, zu finden und zu orientieren – gerade auch dort, wo Worte dies nicht mehr vermögen.“

Mit einem Schritt zwei Kilometer Wegstrecke erzielen

Dementsprechend vielfältig sind die Werke auch in ihrer Darstellungsform. So zeigt Simon Pfeffel mit seiner Videoperformance „Mit einem Schritt“, mit der er einen der ersten Preise erzielen konnte, wie er die rund zwei Kilometer weite Strecke vom Stuttgarter Hauptbahnhof zu St. Maria mit nur einem Schritt zurückgelegt hat. „Dazu hat sich der Künstler das eine Bein nach oben gebunden und sich dann hüpfend und humpelnd durch die Königsstraße gekämpft“, berichtet Sebastian Schmid, Theologe und Kurator von St. Maria als, der neben neun weiteren Personen Teil der interdisziplinären Wettbewerbs-Jury war.

Schmid: „Simon Pfeffel war klar, dass er es ohne die Hilfe von Fremden nicht schaffen würde. Trotzdem hat er niemanden um Hilfe gebeten. Nur wenn sich die Stuttgarter Passanten und Passantinnen angeboten haben, ihn zu unterstützen, hat er sich tragen oder stützen lassen. In der Ausstellung sind Videoaufnahmen dieser eindrucksvollen Aktion zu sehen, in der er sich fremden Menschen ausgeliefert hat.“

Leitwort des Katholikentags steht auch für gemeinsam verletzlich sein

Die Leiterin des Diözesanmuseums in Rottenburg, Dr. Melanie Prange, die für den Wettbewerb verantwortlich und ebenfalls Jurymitglied war, freut sich, dass die Ausstellung nun während des Katholikentags eröffnet wird. „Zum Leitwort ‚leben teilen‘ des Katholikentags passen unsere Kunstwerke besonders gut, weil alle Menschen verletzlich sind, weil Verletzlichkeit geradezu das wesentliche Moment des menschlichen Daseins ist und Gott sich dieser Verletzlichkeit ausgesetzt hat. Gemeinsam sind wir verletzlich und besonders in der Gemeinsamkeit ebnen sich Wege zur Heilung. Das Motto des Katholikentags bringt wesentliche Gedanken unseres Wettbewerbs- und Ausstellungsthemas noch einmal auf den Punkt.“

Dass auch die Kirche selbst verletzlich ist, will Kriz Olbricht mit seinem Kunstwerk zeigen. Dafür hat er fünf Trennkeilgarnituren in die Wand von St. Maria geschlagen. Das handelt es sich um eine Art Nägel, die normalerweise Risse in Steinen erzeugen.

„Es hat viel Überzeugungsarbeit gekostet, bis der Künstler diese Trennkeile in die Wand der Kirche hauen durfte“, berichtet Schmid. „Allein die Vorstellung, es könnte ein Riss in der Kirchenwand entstehen, hat bei manchen fast schon Panik erzeugt. Am wenigsten Angst hatte die Gemeinde selbst.“ Der Kirchengemeinderat habe sofort verstanden, worum es Olbricht gehe. „Schließlich stehen die fünf Nägel im Altarraum für Fragen wie: Wie ernst nimmt die Kirche das Kreuz? Wagt sie es, sich selbst verletzlich zu machen? Riskiert sie die eigene Struktur, um sich auf die Seite der Verwundeten zu stellen?“, erläutert der Theologe weiter.

Ausstellung vom 27. Mai bis 24. Juli in Stuttgart zu sehen

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung dürfen sich auf neun weitere Kunstwerke freuen, die vom 27. Mai bis 24. Juli in St. Maria zu sehen sind. Dr. Prange freut sich, dass die ausgestellten Werke zu neuen Sichtweisen anregen: „„Die Diözese hat sich bewusst dafür entschieden, eine Frage zu formulieren und sich von den Antworten junger Kreativer herausfordern zu lassen – sich also verletzlich und offen zu machen. Ganz besonders vor dem Hintergrund, dass Kirche selbst für schlimmste psychologische und körperliche Verwundungen verantwortlich zeichnet. Kreative ernst zu nehmen und ihnen keine Vorgaben zu machen, ermöglicht eine ernsthafte Beschäftigung mit religiösen Gehalten, biblischen Texten und existentiellen Fragen. Die künstlerischen Resultate sind überraschend, inspirierend, deutungsoffen und zeugen von der Tiefe der Auseinandersetzung. Ein Ergebnis, das für die Zusammenarbeit und das Zusammenwirken von Kirche und Kunst zu betonen ist.“

Preisverleihung bei der Vernissage am 27. Mai

Die Preisverleihung des Vulnerable-Wettbewerbs findet bei der Vernissage der Ausstellung am Freitag, 27. Mai, um 19.30 Uhr mit Bischof Dr. Gebhard Fürst und den Mitgliedern der Jury in St. Maria statt. Dort wird auch ein Teil der Kunstwerke bis Sonntag, 24. Juli, ausgestellt.

Zusätzlich wird es zwischen dem 19. Juni und dem 28. August eine Tandemausstellung im Diözesanmuseum Rottenburg mit dem anderen Teil der prämierten Werke geben. Die Vernissage dieser Ausstellung mit Weihbischof Dr. Gerhard Schneider beginnt am Sonntag, 19. Juni, um 15 Uhr.

Weitere Informationen finden Sie online: https://dioezesanmuseum-rottenburg.de/vulnerable-preistraegerinnen/

v.l. Dr. Melanie Prange (Leitung Diözesanmuseum Rottenburg), Weihbischof Gerhard Schneider, Sebastian Schmid (Kurator „St. Maira als“).
Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Eva Wiedemann